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Donnerstag, 9. September 2010
Industriebrachen: Chancen für Gastronomen Drucken E-Mail
Freitag, 16. März 2007

Lage, Lage und nochmals Lage

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Einst Mühlenareal, heute riesiges Boulevard-Café: Der Mühleplatz  mitten in Thun (Berner Oberland/Schweiz).

Text  und Bild © 2007 Christian Meyer 

 Aus ehemaligen Industrievierteln können blühende Ausgehmeilen entstehen – der Zürcher Stadtkreis 5 ist dafür ein prominentes Beispiel, strömen doch an Wochenenden Tausende Besucher aus dem Grossraum Zürich in das angesagte Quartier mit zahlreichen Ausgehmöglichkeiten.  

 

Für alerte Gastronomen boten sich hier einmalige Chancen: Wer einen langjährigen Mietvertrag für ein Lokal zu guten Konditionen ergattern konnte oder gar eine liebe Tante mit geeignetem Liegenschaftsbesitz zu einem Deal überredete,  der hat wohl ausgesorgt. Voraussetzung freilich für solche Vorhaben ist, dass der Gastronom, der auch Quereinsteiger sein darf, über  Fachwissen verfügt, beziehungsweise bereit ist, sich dieses anzueignen. Positive Beispiel in Zürich gibt es einige weitere: Etwa das im Trödellook daherkommende „Les Halles“ im besagten Kreis 5, zwei von Michel Péclards  Betrieben, darunter eine  ehemalige Pumpstation an der Seepromenade www.peclard.net oder die inzwischen etablierte ehemalige Giesserei in Zürich-Oerlikon. Péclards Pumpstation, ein Boulevard-Café mit Grillspezialitäten, ist ein Paradebeispiel für die  geglückte Umnutzung eines einzelnen Objektes an Top-Lage.

Guerilla-Gastronomie

Doch auch in der Provinz tut sich in Sachen „Guerilla-Gastronomie“ einiges. Zum Beispiel mitten im Zentrum der Schweizer Stadt Thun, auch unter dem Namen „Tor zum Berner Oberland“ bekannt. In den späten Achtzigerjahren brachte ein weiser Entscheid der Stadtväter den Stein ins Rollen. Die zuvor durch die Stadt erstandenen Gebäude der ehemaligen Mühlen AG Thun wurden bis auf einen kleinen, eingeschossigen Bürotrakt abgerissen. Ein riesiger, verkehrsfreier Platz am malerischen Mühlekanal und am Seitenarm der Aare entstand, gedacht für Darbietungen und Freiluftanlässe aller Art. In kurzer Zeit wandelte sich der Mühleplatz an schönen Tagen in einen beliebten Treffpunkt, allen voran  von Schülern und  Auszubildenden.  Geschäftstüchtige Wirte - Quereinsteiger und Profis - witterten ihre Chance. Die umliegenden ehemaligen Schuppen, Garagen, Kellerräume, Lager und Buden von Handwerkern wurden Zug um Zug von der Gastronomie in Beschlag genommen. Heute, fast zwanzig Jahre später, zählt man achtzehn Gastronomiebetriebe in der näheren Umgebung der ehemaligen Mühle. 

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 Bild: Thuner Mühleplatz ,Blick gegen Süden. Im Hintergrund Lanzreins Café- Bar.

 Argument: Plätze beleben

Das ist  -  kurzgefasst - 

die Geschichte der neu entstandenen Thuner Ausgehmeile . Der erste, der die Chance packte, war Charles Lanzrein (53). Im ehemaligen Bürogebäude der Mühle betreibt der erfahrene Wirt (zuvor Hotel Emmental und Restaurant Sinnebrücke) seit über zehn Jahren die Café Bar Mühleplatz mit rund 50 Innenplätzen und einem Boulevardcafé mit weiteren 50 Plätzen. Bei der Stadtverwaltung bewarb sich Lanzrein damals mit einem stichhaltigen Argument: Wegen des aufkommenden Drogenhandels müsse der Platz belebt werden. Das leerstehende Gebäude könne als Cafebar genutzt werden. Das leuchtete den Verantwortlichen ein,  und über die ausgehandelten Mietbedingungen möchte Lanzrein nichts sagen. Auch über bisherige Verkaufszahlen schweigt er sich aus, bemerkt aber immerhin, dass rund 80 Prozent des Umsatzes im Sommerhalbjahr erzielt würden. Doch mit einem Saison-Personalbestand von rund 15 Personen - ohne nennenswerten Küchenanteil - kann jeder Kundige die Umsätze an dieser erstklassigen Lage schätzen. An regenfreien Tagen sind 50 Franken Tagesumsatz pro Sitzplatz sicher nicht zu hoch gegriffen.

 

Voll auf Expansion 

In diesem Frühling eröffnet Lanzrein am nördlichen Ende des Mühleplatzes ein zusätzliches Lokal mit 70 Innenplätzen und etwa 150 Aussenplätzen. Die geplante Freiluftbar mit Lounge direkt an der Aare könnten zum neuen Hot Spot werden. Innen, in den ehemaligen Lagerräumlichkeiten der Eisenhandlung Baumann, sollen Fleischspezialitäten vom Holzkohlegrill serviert werden. „Wir beschränken uns auf eine kleine Karte“, sagt Lanzrein, das Angebot werde bewusst klein gehalten. In der kommenden Sommersaison will er im neuen Betrieb, dessen Name er vorläufig nicht bekannt geben will, weitere 15 bis 18 Personen beschäftigen.

Lage, Lage, Lage – so lautet die wichtigste Formel  der Immobilienfachleute. Sie beinhaltet, dass die Lage ausschlaggebend für Rendite und Bewertung einer Immobilie ist. Und wer das innewohnende Potenzial einer Liegenschaft erahnt, kann später die Früchte seiner Risikobereitschaft ernten. Aber Vorsicht: Wer zu spät auf den Zug aufspringt, und sich nicht um schnell steigende Mieten an neuen Toplagen kümmert, den wird das Schicksal ereilen. Im Züricher Kreis 5 gibt es dafür gleich mehrere Beispiele, darunter eines mit Promi-Beteiligung: So hat die Suppenbar „Zuppa Mundial“ beim "Schiffbau", von TV-Talkmaster Kurt Aeschbacher mitfinanziert, die Pforten nach kurzer Zeit wieder geschlossen.


Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 11. Oktober 2007 )
 
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